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Autor: admin

54 % des deutschen Stroms sind erneuerbar – deutlicher kann der richtige Weg nicht sein

54 % des deutschen Stroms sind erneuerbar – deutlicher kann der richtige Weg nicht sein

Deutschland hat seinen Strommix in kurzer Zeit radikal verändert – und die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.

Im Jahr 2000 lag der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bei 6.3 %.
2024 liegt er bei über 54 %.
Ein Plus von fast 50 Prozentpunkten in nur zwei Jahrzehnten.

Der Verlauf zeigt eine kontinuierliche, deutliche Verschiebung:

  • 2013: rund 25 %
  • 2015: etwa 30 %
  • 2018: ca. 38 %
  • 2022: 44 %
  • 2023/2024: 54 %+

Parallel dazu schrumpfen die fossilen Energieträger:

  • Strom aus Braunkohle: −9 %
  • Strom aus Steinkohle: −30 %

Die erneuerbaren Energien legen dagegen massiv zu:

  • Solarenergie: +18.6 %
  • Wasserkraft: +13.3 %
  • Offshore-Wind: +9.4 %
  • Onshore-Wind: leicht rückläufig (−3.3 %), aber immer noch ein zentraler Pfeiler.

Das Bild ist eindeutig:
Deutschland produziert bereits mehr als die Hälfte seines Stroms erneuerbar – und die fossile Erzeugung bricht ein. Der eingeschlagene Weg funktioniert, und er funktioniert messbar.

Bis 2030 sollen die erneuerbaren mindestens 80 % des Stroms liefern.
Wenn man sich die Entwicklung der letzten 20 Jahre anschaut, ist das nicht Wunschdenken, sondern eine logische Fortsetzung.

Die Zahlen zeigen:
Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist nicht nur der richtige Weg – er ist schlicht der erfolgreiche Weg.

Und ja: Auch die Schweiz kann sich davon eine Scheibe abschneiden. Denn rechnet man die Wasserkraft heraus, liegen wir beim Ausbau von Solar- und Windenergie deutlich zurück. Gerade weil die Wasserkraft bereits einen starken, stabilen Anteil abdeckt, wäre es für uns umso einfacher, den restlichen erneuerbaren Anteil schneller auszubauen und damit insgesamt deutlich zuzulegen.

Hast du gewusst, dass das AKW Gösgen seit Mai 2025 stillsteht?

Hast du gewusst, dass das AKW Gösgen seit Mai 2025 stillsteht?

Kaum jemand spricht darüber, aber das Kernkraftwerk Gösgen im Kanton Solothurn produziert seit dem 24. Mai 2025 keinen Strom mehr. Und nein, nicht weil der Reaktor durchgedreht ist, sondern wegen eines Problems im Speisewassersystem. Kurz gesagt: Man konnte nicht beweisen, dass die Anlage überall stabil genug ist. Das ENSI (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat) hat deshalb auf die Bremse gedrückt – und das ziemlich konsequent.

Warum steht das AKW Gösgen seit Mai still?

Eigentlich hätte Gösgen schon längst wieder am Netz sein sollen. Doch die zusätzlichen Sicherheitsnachweise ziehen sich. Jetzt heisst es: frühestens Ende Februar 2026.

Das bedeutet fast ein Jahr Stillstand – für ein Werk, das eigentlich als „verlässliche Grundlast“ verkauft wird.

Was bedeutet der Ausfall für die Schweiz?

Ganz simpel: Es fehlt Strom. Und zwar nicht wenig.

  • 1,9 Terawattstunden fallen aus.
  • Das entspricht etwa 13 % des Schweizer Stromverbrauchs.

Dazu kommen Verluste in dreistelliger Millionenhöhe für die Betreiber. Und die Stromlücke? Die muss anderswo gefüllt werden.

Warum Atomkraft kein Garant ist

Und genau hier zeigt sich, was viele verdrängen: Atomkraft ist alles andere als „verlässlich“. Fällt ein Reaktor aus, steht er gleich monatelang still. Flexibilität? Fehlanzeige.

Wenn Befürworter jetzt neue Atomkraftwerke fordern, muss man nur auf Gösgen schauen. Wer glaubt, man könne mit ein paar zusätzlichen Reaktoren die Versorgungssicherheit garantieren, übersieht die Realität. So ein Ausfall reisst sofort ein Loch – technisch und finanziell.

Was wir stattdessen brauchen

Die Lösung liegt nicht in neuen Milliardenprojekten, die erst in 20 Jahren Strom liefern. Wir brauchen Erneuerbare – und zwar jetzt:

  • Solarenergie auf Dächern, Feldern und Fassaden
  • Windkraft, die genau dann liefert, wenn im Winter die Sonne schwach ist
  • Wasserkraft und Speicher, die Lücken überbrücken

Das ist dezentral, flexibel und ersetzbar. Fällt ein Solarkraftwerk aus, übernehmen zig andere. Niemand muss warten, bis ein einzelner Reaktor nach einem Jahr Pause wieder hochfährt.

Fazit: Gösgen ist ein Warnsignal

Der Ausfall des AKW Gösgen ist kein Detail am Rand, sondern ein Weckruf. Atomkraftwerke sind teuer, störanfällig und alles andere als verlässlich. Wer heute Milliarden in neue Reaktoren stecken will, verschiebt die Lösung unserer Energieprobleme um Jahrzehnte.

Die Zukunft liegt in erneuerbaren Energien – nicht in alten Technologien, die schon heute zeigen, wie unsicher sie sind.

Warum ein neues Atomkraftwerk in der Schweiz keine Lösung ist

Warum ein neues Atomkraftwerk in der Schweiz keine Lösung ist

Die Vorstellung, mit neuen Atomkraftwerken könnten wir unsere Energie- und Klimaprobleme in den Griff bekommen, klingt auf den ersten Blick plausibel. Aber sobald man genauer hinschaut, fällt das Kartenhaus in sich zusammen.

Atommüll – ungelöst seit Jahrzehnten
Seit den 1970ern häuft sich in der Schweiz hochradioaktiver Abfall an, der für Hunderttausende Jahre sicher gelagert werden muss. Bis heute gibt es kein Endlager. Das Projekt in Nördlich Lägern soll vielleicht um 2050 starten – wenn alles glatt läuft.
Die Kosten liegen offiziell bei rund 21 Milliarden Franken. Aber jeder weiss: Sobald die Rückstellungen der Betreiber nicht reichen – und das wird passieren – zahlt am Ende die öffentliche Hand. Und genau dieser Kostenfaktor ist wahrscheinlich ein Grund, warum sich beim Endlager so wenig bewegt.

CO₂-Argument – nur die halbe Wahrheit
Ja, Atomkraft produziert im Betrieb kaum CO₂. Aber das ist nur ein Teil der Rechnung. Beim Bau eines Reaktors, bei der Gewinnung und Aufbereitung von Uran, beim Transport und – nicht zu vergessen – bei Rückbau und Endlagerung entstehen erhebliche Emissionen.
Und vor allem: Selbst wenn ein AKW klimaneutral wäre – es steht erst in 15 bis 20 Jahren. Für die Reduktion der Emissionen bis 2030 oder 2040 ist das schlicht zu spät. Genau hier punkten erneuerbare Energien: Sie lassen sich innerhalb weniger Jahre in grossem Umfang installieren.

Bauzeit – zu langsam fürs Klima
Olkiluoto 3 (Finnland) und Flamanville 3 (Frankreich) zeigen, wie lange sich AKW-Projekte ziehen: aus 5 geplanten Jahren wurden 15 oder mehr, aus 3 Milliarden Euro wurden 11 oder 13. Wenn wir das Pariser Klimaziel ernst nehmen, müssen wir jetzt handeln, nicht erst in den 2040ern.

Kosten – und wer am Ende zahlt
Atomkraft ist nicht nur langsam, sondern auch teuer. Neue Reaktoren liegen laut OECD bei 12–16 Rappen pro Kilowattstunde. Solarstrom aus der Schweiz kostet heute schon 5–7 Rappen.
Dazu kommt: In jedem Land, in dem ein AKW gebaut wird, steckt der Staat mit Bürgschaften oder Garantien drin. Sobald es teurer wird oder etwas schiefgeht, zahlt nicht der Betreiber, sondern der Steuerzahler – genau wie beim Atommüll.

Blick nach Deutschland
2010 lag der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland bei rund 17 Prozent. 2023 waren es bereits 55 Prozent – und das trotz Atomausstieg. Der konsequente Ausbau von Solar- und Windkraft hat die Kosten stark gesenkt, sodass beide heute zu den günstigsten Energiequellen zählen. Die Schweiz hätte mit alpiner Photovoltaik ein enormes Winterstrom-Potenzial, das deutlich schneller ans Netz ginge als jedes neue AKW.

Sicherheitsrisiko bleibt
Erdbeben, Materialermüdung, menschliche Fehler – kein Reaktor ist 100 Prozent sicher. In einem dicht besiedelten Land wie der Schweiz wären die Folgen eines schweren Unfalls nicht beherrschbar.

Fazit
Atomkraft ist teuer, langsam, riskant und keine schnelle Klimaretterin. Wir brauchen Technologien, die heute wirken: Photovoltaik, Wind, Wasserkraft, Speicherlösungen, Netzausbau und Effizienzsteigerung. Diese senken CO₂-Emissionen sofort – und belasten nicht über Jahrtausende mit gefährlichem Abfall.

Ist Albert Rösti dumm?

Ist Albert Rösti dumm?

Wer glaubt, Albert Rösti wolle mit der AKW-Rückkehr die Klimaziele retten, irrt. Sein Plan ist strategisch – und er bedient damit ganz andere Interessen.

Klima? Nebensache

Neue AKWs in der Schweiz würden frühestens in den 2040er-Jahren Strom liefern – viel zu spät für die aktuellen Klimaziele. Trotzdem verkauft Rösti sie als Lösung für die Energie- und Klimakrise. In Wahrheit ist die Atomkraft in diesem Plan ein politischer Joker: Sie hält die fossile Lobby bei Laune und erlaubt es, den Ausbau erneuerbarer Energien zu verzögern.

Lobbyfreundlich, nicht zukunftsfreundlich

Röstis Vergangenheit als Präsident der Erdöl-Lobby Swissoil ist kein Geheimnis. Jetzt öffnet er einer anderen milliardenschweren Branche die Tür. Atomkraftwerke bedeuten gigantische Investitionssummen, jahrzehntelange Projektbindungen und langfristige Abnahmegarantien – Gewinne für wenige, Risiken für alle.

Die eigentliche Frage

Ob Rösti dumm ist, spielt keine Rolle. Er ist strategisch, weiss, wie er Mehrheiten in seiner Partei und bei wirtschaftsnahen Kreisen mobilisiert – und er nutzt jede Gelegenheit.
Die echte Frage lautet: Sind wir bereit, eine teure, riskante und langsame Technologie wiederzubeleben, nur damit ein Bundesrat seine energiepolitische Agenda durchsetzen kann?

Trumps Kohlekraft-Märchen und die Realität der deutschen Stromproduktion

Trumps Kohlekraft-Märchen und die Realität der deutschen Stromproduktion

Kürzlich behauptete Donald Trump öffentlich, in Deutschland werde „jede Woche ein neues Donald Trump hat kürzlich in einem Interview behauptet, Deutschland würde „jede Woche ein neues Kohlekraftwerk ans Netz bringen“, weil es mit erneuerbaren Energien nicht geklappt habe. Diese Aussage ist nicht einfach nur falsch – sie ist eine bewusste und plumpe Lüge.

Trump verdreht absichtlich die Tatsachen, um seine rückwärtsgewandte Agenda zu stützen. Es gibt keine einzige seriöse Quelle, die seine Behauptung belegt. Deutschland verfolgt seit Jahren einen gesetzlich geregelten Kohleausstieg. Neue Kohlekraftwerke? Fehlanzeige. Was Trump hier verbreitet, ist nichts anderes als gezielte Desinformation – schlicht und einfach gelogen.

Was wirklich geschieht: Kein Neubau von Kohlekraftwerken

Deutschland verfolgt seit Jahren eine klare Ausstiegsstrategie aus der Kohleverstromung. Das entsprechende Gesetz sieht vor, spätestens bis 2038 den vollständigen Kohleausstieg zu vollziehen. Neue Kohlekraftwerke werden nicht gebaut – im Gegenteil: Zahlreiche Anlagen wurden bereits stillgelegt.

Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kam es kurzfristig zu einer befristeten Wiedereinspeisung einzelner Reservekraftwerke, um Gas zu sparen. Diese Massnahme war jedoch klar zeitlich begrenzt, und viele der betroffenen Anlagen wurden bis spätestens März 2024 wieder vom Netz genommen.

Die Aussage Trumps ist also nachweislich unwahr – ein klassisches Beispiel politisch motivierter Desinformation.

Aktueller Strommix in Deutschland (Stand 2024)

Trotz zeitweiser Rückschläge bei Wind und Sonne (z. B. wetterbedingte Flauten) ist der Umbau des Stromsystems in vollem Gange. Deutschland deckte im Jahr 2024 bereits rund 59,4 % seines Strombedarfs mit erneuerbaren Energien:

  • Erneuerbare Energien: ca. 59,4 %
  • Fossile Energien (Kohle & Gas): ca. 37,4 %
  • Kernenergie (im Inland): 0 %

Und was ist mit Atomstrom?

Seit April 2023 produziert Deutschland keinen eigenen Atomstrom mehr. Stromimporte – vor allem aus Frankreich – enthalten zwar noch Kernenergie, aber deren Anteil am gesamten deutschen Stromverbrauch liegt nur bei etwa 1–2 %.

Fazit

Deutschland baut keine neuen Kohlekraftwerke – auch wenn das in populistischen Erzählungen behauptet wird. Der Kohleausstieg ist gesetzlich geregelt und in vollem Gange. Der Anteil erneuerbarer Energien ist mittlerweile dominant – trotz gelegentlicher Schwankungen im Einspeiseverhalten. Wer heute behauptet, die Energiewende sei gescheitert, ignoriert nicht nur die Fakten, sondern auch den klaren politischen und gesellschaftlichen Willen zur klimafreundlichen Transformation.

AKW-Befürworter sind die wahren Technologieverweigerer

AKW-Befürworter sind die wahren Technologieverweigerer

Immer wieder hört man von Befürwortern der Atomkraft, man solle „die Scheuklappen vor neuer Technologie ablegen“. Gemeint ist damit der Ruf nach einem Comeback der Atomkraft in der Schweiz. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Die vermeintliche Zukunftstechnologie ist ein Relikt der Vergangenheit.

Atomkraft steht für ein zentralisiertes, schwerfälliges System mit hohen Kosten und gravierenden Risiken – ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Die wirklichen technologischen Innovationen finden heute woanders statt: beim Ausbau erneuerbarer Energien, bei Speicherlösungen und bei der Entwicklung intelligenter Stromnetze.

Bandstrom ist ein Denkfehler aus dem letzten Jahrhundert

Ein beliebtes Argument der AKW-Lobby lautet: „Wir brauchen Bandstrom“. Gemeint ist damit eine gleichmässige, rund um die Uhr verfügbare Stromproduktion – so, wie sie klassische Grosskraftwerke liefern. Doch dieses Konzept stammt aus einer Zeit, in der Stromnetze statisch waren, kaum Flexibilität kannten und Strom nur in eine Richtung floss.

Heute stehen wir an einem Wendepunkt: Unsere Stromnetze müssen intelligenter werden – und zwar dringend. Moderne Smart Grids sind in der Lage, fluktuierende Energie aus Sonne, Wind und Wasser zu integrieren. Sie steuern die Stromflüsse dynamisch, binden Speicher ein, verschieben Lasten und vernetzen dezentrale Produzenten. Aber: Diese Systeme sind in der Schweiz und weltweit noch im Aufbau – sie müssen weiterentwickelt und gezielt gefördert werden.

Es braucht also massive Investitionen in die Netzinfrastruktur, nicht in neue Atomkraftwerke. Der Umbau zu einem flexiblen, digitalen Stromnetz ist eine technische und gesellschaftliche Notwendigkeit.

Dezentral ist das neue Stabil

Die Zukunft liegt nicht in wenigen zentralen Grosskraftwerken, sondern in vielen kleinen, lokal verankerten Energiequellen. Sie erhöhen die Versorgungssicherheit, reduzieren Leitungsverluste und stärken die Selbstversorgung von Gemeinden, Unternehmen und Privathaushalten.

Ein dezentrales Energiesystem ist nicht nur demokratischer, sondern auch resilienter: Es ist weniger anfällig für Störungen, Cyberangriffe oder geopolitische Abhängigkeiten.

Wer also weiterhin auf Atomkraft setzt, ignoriert genau diese Entwicklung. Statt offen für die tatsächlichen technologischen Fortschritte zu sein, klammert man sich an ein überholtes Modell – mit dem Argument, es sei „modern“.

Fortschritt braucht Mut zur Veränderung

Die wirklichen Innovationstreiber sind heute jene, die auf eine Kombination aus erneuerbaren Energien, Speichersystemen, Elektromobilität, Wärmepumpen und smarten Netzen setzen. Atomkraft hingegen blockiert Innovationen – sie bindet Ressourcen, schafft langfristige Abhängigkeiten und suggeriert eine trügerische Sicherheit.

Wer also ernsthaft über die Energiezukunft sprechen will, sollte nicht über neue AKWs reden – sondern über neue Ideen, neue Infrastrukturen und den Mut zur Veränderung.

Neue AKWs? Warum Bürgerliche so daran festhalten – und worum’s eigentlich geht

Neue AKWs? Warum Bürgerliche so daran festhalten – und worum’s eigentlich geht

Atomkraft? Wieder im Trend – zumindest bei manchen Politikern. Besonders aus bürgerlichen Reihen kommt der Ruf nach neuen AKWs in der Schweiz. Angeblich, um die Stromversorgung zu sichern. Aber was steckt wirklich dahinter? Spoiler: Es geht weniger um Energie – und mehr um Einfluss, alte Strukturen und das gute Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben.

Die Diskussion läuft ja wieder heiss: Stromversorgung, Winterlücke, Versorgungssicherheit. Und plötzlich ist sie wieder da – die alte Leier von den neuen Atomkraftwerken. Besonders aus bürgerlichen Kreisen hört man jetzt: „Wir brauchen neue AKWs!“ Klingt auf den ersten Blick vernünftig. Ist es aber nicht – zumindest nicht, wenn man sich mal genauer anschaut, worum’s da wirklich geht.

Hier fünf Gründe, warum der Ruf nach neuen Reaktoren oft weniger mit Strom und mehr mit Macht zu tun hat:

1. Grosse Kraftwerke – grosse Kontrolle

Ein AKW ist ein Monsterprojekt. Jahrzehntelange Laufzeit, zentrale Steuerung, Milliarden an Investitionen. Genau das ist der Punkt: Wer so ein Kraftwerk baut, sitzt am längeren Hebel. Dezentraler Solarstrom, bei dem jeder Haushalt mitmischen kann? Nicht ganz so attraktiv für die, die bisher den Markt beherrscht haben. Neue AKWs sichern Macht – nicht Strom.

2. Technikglaube aus dem letzten Jahrhundert

Für manche ist ein Atomkraftwerk einfach der Inbegriff von „stabile Energieversorgung“. Riesig, schwer, scheinbar zuverlässig. Solar, Wind und Speicher wirken dagegen kleinteilig und irgendwie unsexy. Dabei ist genau das ihre Stärke: flexibel, skalierbar, nah an den Menschen. Aber das alte Bild vom AKW als technischem Fortschritt hält sich hartnäckig – auch wenn’s längst überholt ist.

3. Unabhängigkeit? Schön wär’s.

Ein beliebtes Argument: „Mit AKWs machen wir uns unabhängig vom Ausland.“ Klingt gut, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn auch Uran wächst nicht in den Alpen – das wird importiert, oft aus Staaten, die alles andere als politisch stabil sind. Echte Unabhängigkeit sieht anders aus – zum Beispiel mit Sonnenstrom vom eigenen Dach.

4. Schön bequem: Probleme auf später verschieben

Ein neues AKW steht nicht einfach so in fünf Jahren da. Realistisch reden wir von 2040 oder später. Bis dahin? Haben wir längst ein anderes Problem. Denn die Stromlücke, vor allem im Winter, kommt jetzt. Wer heute AKWs fordert, verdrängt, dass wir jetzt Lösungen brauchen – nicht erst in 20 Jahren.

5. Dezentralisierung macht nervös

Die Energiewende gibt vielen Menschen Mitsprache. Gemeinden, Genossenschaften, Privathaushalte – plötzlich sind nicht mehr nur die Grossen im Spiel. Genau das sorgt für Nervosität bei denen, die jahrzehntelang das Sagen hatten. AKWs bedeuten: alles wie früher. Erneuerbare bedeuten: ein neues Spiel, mit neuen Regeln. Und das passt nicht jedem.

Fazit

Neue AKWs sind nicht die Antwort – sie sind der Versuch, die Vergangenheit künstlich am Leben zu halten. Die Zukunft ist dezentral, erneuerbar, flexibel. Und sie ist machbar. Aber eben nur, wenn wir uns trauen, alte Denkweisen hinter uns zu lassen. Wer heute noch auf Atomkraft setzt, stellt die Weichen in die falsche Richtung – und riskiert, dass wir am Ziel vorbeifahren.

Teures Prestigeprojekt mit Hindernissen: Finnlands Olkiluoto 3 und die Milliardenfalle im europäischen Atomkraftbau

Teures Prestigeprojekt mit Hindernissen: Finnlands Olkiluoto 3 und die Milliardenfalle im europäischen Atomkraftbau

Das finnische Kernkraftwerk Olkiluoto 3 (OL3) ging 2023 offiziell ans Netz und war eines der größten und zugleich problematischsten Bauprojekte Europas. Hier sind einige wichtige Fakten, insbesondere zu den technischen Herausforderungen und den enormen Kostensteigerungen:

  1. Technische Daten und Typ:
    • OL3 ist ein sogenannter Europäischer Druckwasserreaktor (EPR) mit einer Leistung von rund 1.600 Megawatt.
    • Der Reaktortyp EPR wurde von der französischen Firma Areva entwickelt und soll besonders hohe Sicherheitsstandards bieten.
    • Es handelt sich um das erste Kernkraftwerk in Finnland seit den 1970er Jahren und den weltweit ersten EPR, der in Europa ans Netz ging.
  2. Kostenexplosion:
    • Die ursprünglich geplanten Kosten für OL3 lagen bei etwa 3 Milliarden Euro.
    • Aufgrund zahlreicher Verzögerungen und technischer Herausforderungen stiegen die Gesamtkosten auf rund 11 Milliarden Euro, was einer Kostensteigerung von über 300 % entspricht.
    • Die Finanzierung des Projekts stellte eine enorme Belastung dar, sowohl für die beteiligten Unternehmen als auch für Finnland.
  3. Lange Bauzeit und Verzögerungen:
    • Der Bau begann im Jahr 2005 und sollte ursprünglich 2009 fertiggestellt werden. Stattdessen dauerte es 18 Jahre bis zur Inbetriebnahme im Jahr 2023.
    • Mehrere Verzögerungen waren auf technische und regulatorische Herausforderungen zurückzuführen, sowie auf fehlende Dokumentation und Probleme in der Fertigstellung.
  4. Technische Probleme:
    • Während der Bauphase traten Probleme mit der Qualität der gelieferten Materialien und Komponenten auf, insbesondere bei Schweißarbeiten und Betonarbeiten.
    • Probleme beim Druckbehälter und bei der Instrumentierung führten zu Sicherheitsbedenken und verlangsamten den Bau weiter.
    • Während der Inbetriebnahmephase kam es zu Schwierigkeiten beim Hochfahren des Reaktors, die zusätzliche Zeit erforderten, bevor eine stabile Stromproduktion erreicht wurde.
  5. Rechtliche Auseinandersetzungen und staatliche Rettung von Areva:
    • Wegen der zahlreichen Verzögerungen und der Kostenüberschreitung kam es zu rechtlichen Konflikten zwischen dem Betreiber Teollisuuden Voima Oyj (TVO) und dem Baukonsortium von Areva und Siemens. Nach langwierigen Verhandlungen einigten sich die Parteien 2018 auf eine Entschädigungszahlung von etwa 450 Millionen Euro zugunsten des Betreibers TVO.
    • Die finanziellen Verluste durch OL3 brachten Areva jedoch an den Rand des Zusammenbruchs. Der französische Staat musste das Unternehmen schließlich retten und umfangreich umstrukturieren. Das Reaktorgeschäft wurde an den staatlich kontrollierten Energiekonzern EDF verkauft, während Areva sich auf andere Bereiche der Kernenergie spezialisierte.
Schon fast 50% der Stromeinspeisung in Deutschland durch erneuerbare Energieträger

Schon fast 50% der Stromeinspeisung in Deutschland durch erneuerbare Energieträger

Der Titel der Pressemitteilung von Destatis lautet zwar «17,2 % mehr Kohlestrom als im Vorjahreszeitraum» aber gleichzeitig zeigt es das die erneuerbaren Energieträger 48.5% der gesamten Stromeinspeisung ausmachen.

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/09/PD22_374_43312.html